Die Historie des Club Backnang




Der Deutsche Kaiser



Das Gebäude Stuttgarter Straße 37 ca. 1970. Im Fenster ist die Wirtin Ottilie Schumacher zu erkennen. Im 1. Obergeschoss ist seit 1965 der Club zu finden.



Die Aufnahme stammt vom gleichen Tag wie das Bild oben und zeigt links die Friedhofstraße, die damals noch keine Sackgasse war.



Dieses Bild wurde wohl etwas später vom Gleiskörper der Bahnstrecke aufgenommen, denn neben dem Club-Eingang ist nun eine Lampe zu erkennen, wie sie von Wirtschaften bekannt ist.

Der Donna-Club (1965-1968)

1964 entschlossen sich 4 Schulfreunde des Gymnasiums Backnang, einen Schülertreff zu gründen zum Zwecke des Debattierens. Die Freunde waren Hans-Jürgen Hartmann, Roland Janke, Günther Löffler und Arno Schumacher. Der Gewölbekeller der Gastwirtschaft "Deutscher Kaiser" (Wirtin war Arnos Mama Ottilie „Tiller“ Schumacher) in der Stuttgarter Straße 37 in Backnang wurde als geeignet befunden und entsprechend ausgebaut. Als Sitzgelegenheiten dienten ausrangierte Kinoklappstühle, die aus dem Nachlass des Scala-Kinos in Ludwigsburg stammten. Das Gewölbe wurde mit Holzbrettern und Schilfrohrmatten verkleidet.



Zu dieser Zeit wurden Mitgliedsausweise für den Donna-Club ausgegeben. Das obige Bild zeigt den Ausweis von Günther Löffler (wie immer mit Kippe). Ausgestellt von "President" Arno Schucmacher und "Vice president" Hans-Jürgen Hartmann. Es sollen von diesen Ausweisen nur eine handvoll ausgestellt worden sein. Der President meinte, dass es uncool ist, mit der Nummer 001 zu beginnen, deshalb zeigte dieser Ausweis die Nummer 074.


Bald wurde zur Unterhaltung der Weiblichkeit ein Plattenspieler aufgebaut und nannte das Ganze „Donna-Club“ (nach dem Schmachtfetzen "Donna" von Richie Valens aus dem Jahr 1959. Das Holzbrett aus dem Keller mit den fünf Buchstaben D-O-N-N-A hängt heute im Club -siehe nachfolende Aufnahme-).



Der Club kam sehr gut an bei den Teenagern und bald wurde es zu eng im Keller und man dachte an Umzug in größere Räumlichkeiten.



Historische Aufnahme, die ca. 1966 im Club an der provisorischen Bartheke entstanden ist. Auf dem Bild sind zu sehen (von links nach rechts): Hans-Jürgen (Hannes) Hartmann, Günther Löffler, (verdeckt) Klaus-Peter (Kali) Kalmbach, (Girlie unbekannt), (halb verdeckt) Roland Janke, Arno Schumacher.



Weitere Aufnahmen aus dieser Zeit

Der Club (1968 - 1985)

Mehr Platz bot der damals ungenutzte ehemalige Tanzsaal des Deutschen Kaiser im ersten Obergeschoss. Also wurde dieser als Musikkneipe umgestaltet und im Herbst 1965 in Betrieb genommen. Doch auch dieser Raum war schnell zu klein. So wurden die drei übrigen Räume im ersten Stock ebenfalls umgebaut und der Club hatte nun die Größe, die er bis in die 90er-Jahre beibehalten sollte. Besonders attraktiv war das freigelegte Fachwerk, welches als Raumteiler dem Ganzen eine besondere Note gab. (Das Fachwerk ist teilweise heute noch sichtbar.) Zu dieser Zeit fiel dann auch das „Donna“ weg und man nannte das Lokal nun Club-Café, später dann nur noch kurz „der Club“.



Diese Aufnahme (ca. 1970) zeigt Hermann Lachenmaier und Bärbel Schaal (spätere Lachenmaier) beim Thekendienst im Club. Im Hintergrund die legendäre Fototapete mit der Skyline von Manhattan.

Die Ausstattung

Die Einrichtung war einfach und zweckmäßig. Der Boden war mit einem Nadelfilzbelag ausgelegt, der es möglich machte, die Veränderung von festgetretenem Kaugummi über Jahre zu verfolgen. Die Decke war abgehängt mit einer simplen Latten- konstruktion, auf die Styroporplatten gelegt waren. Nebenbei bemerkt wirkte sich diese Konstruktion sehr positiv auf die Raumakustik aus. Die 20 Meter lange Fensterfront zierte ein schwerer Vorhang, der die Raumakustik zusätzlich positiv beeinflusste.

Eine gute Raumakustik war anfänglich nicht unbedingt nötig, da die Musikanlage hoffnungslos unterdimensioniert war und es nur guter deutscher Wertarbeit zu verdanken war, dass die Komponenten nicht nacheinander abgeraucht sind. Die Plattenspieler, der Verstärker und die Lautsprecherboxen waren von Dual (Made in Germany). Das Mischpult war Marke "Eigenbau Walle". Die Übersteuerung der Boxen war enorm, die Ansagen des DJs nicht zu verstehen. Egal, Hauptsache man konnte den Song grob erkennen. Die Diskothek befand sich strategisch clever positioniert innerhalb des Barbereiches, wodurch sich die permanente Getränkeversorgung der immer durstigen DJs einfach gestaltete. Darüber hinaus war bei den regelmäßig zelebrierten Schlägereien sichergestellt, dass die Geräte und die Schallplattensammlung keinen Schaden nahmen.

Die Tische waren schwarze Stahlrohrgestelle mit Furnierplatten aus Nussbaum, von denen vier Exemplare heute noch im Club ihren Dienst tun, ebenso wie zehn Barhocker aus dieser Zeit. Die Sessel waren Stahlrohrgestelle mit Cordbezug. Der Cordbezug hatte in der Endphase der Nutzung an vielen Stellen die Farbe von Cola-Asbach und klebte auch so. Über der Eingangstreppe hing ein Poster von Che Guevara, links davon ein überdimensionaler Facettenspiegel im Querformat, der bedrohlich nach vorne geneigt über einer Sitzgruppe hing.

Diese Gegenstände waren ebenso Kult der Club-Ära, wie die begehrten Club-Spiegel mit dem Text "Our favourite hours since '65" (von denen heute noch einige existieren): Kult waren auch die Fototapete mit der Skyline von Manhattan bei der Bar und das Kuhfell an der Wand der Tanzfläche. Die „Tanzfläche“ hatte die enormen Ausmaße von ca. fünfzehn Quadratmetern. In Spitzenzeiten versuchten dort 30 Leuten zu tanzen. Es ist erstaunlich, dass dies ohne große Verletzungen ablief. Die Belüftungsanlage bestand aus 4 Ventilatoren, die es von Anfang an und auch später nicht schafften, das Gemisch aus Qualm, Schweiß und Alkohol nach draußen zu wirbeln. So entstand die heute noch gerne zitierte und einmalige "Club-Atmosphäre".

Das Club-Team und die Gäste

Das Personal wurde im Wesentlichen rekrutiert aus Schülern und Studenten. Gefragt waren Barleute, Bedienungen und Diskjockeys. Das Konzept ging auf und der Club war jeden Abend zum Bersten voll. Auch bei den Gästen handelte es sich hauptsächlich um Schüler und Studenten. Man war zum großen Teil Stammpublikum, sodass sich saisonale Schwankungen kaum bemerkbar machten. Gerade in den Schulferien war Hochsaison, denn in den Sechzigern fuhr man nicht so oft und nicht so lange in den Urlaub wie heute und so brauchten die Teens und Twens Unterhaltung in der Ferienzeit, welche der Club reichlich bot. Es war eine eingeschworene Clique. Man traf sich fast täglich und teilte Freud' und Leid miteinander. Man liebte und man zankte sich. Es wurde aber deutlich mehr gelacht als Tränen flossen. An Weihnachten wurde ein Christbaum aufgestellt und geschmückt und es wurde im Club Heiligabend gefeiert mit der unvergesslichen Ananasbowle von Tiller. Highlights waren auch die Silvesterparties mit Feuerwerk vor dem Haus. Ungezählt sind die Sachbeschädigungen und Verletzungen durch unsachgemäßes Hantieren mit Feuerwerkskörpern in alkoholisiertem Zustand.

The Rise and Fall of the Club

Die große Zeit des Club war von 1967 bis ca. 1980. Neben dem verstärkten Wettbewerb aus dem eigenen Lager (Die Teilhaber an der "Alten Grube" waren die des Club) und der Eröffnung von anderen Lokalen kam ein Manko des Club zu tragen, welches bisher nur eine Randerscheinung war: die Lage in einem reinen Wohngebiet. Von Beginn an hatte der Club mit Beschwerden aus der Nachbarschaft wegen Lärmbelästigung zu kämpfen. Zeitweise wurde die Sperrzeit am Wochenende verlängert von 2 auf 1 Uhr, was natürlich fürs Geschäft negative Auswirkungen hatte. Hatten doch die anderen Diskos bis 3 Uhr, ja manche bis 4 Uhr geöffnet. Dies und die Veränderung des Musikgeschmacks führten dazu, dass der Club Anfang der Achtziger nicht mehr DIE Szene-Kneipe in Backnang war. Die Rock-Musik der Siebziger war weitgehend out. Punk und Neue Deutsche Welle waren angesagt. Versuche auf dieser Welle mit zu schwimmen durch Umgestaltung der Einrichtung und Anpassung der Musik blieben ohne Erfolg. Es war erstaunlich, dass sich der Club noch 10 Jahre bis 1993 hielt. Dies jedoch mehr schlecht als recht. Die ursprünglichen Betreiber des Club warfen 1993 nach fast 30 Jahren das Handtuch. Danach gaben sich die Betreiber in kurzen Abständen die Klinke in die Hand: Basti, Schnulli, Pizza Toni, Wolle und letztlich Dietmar mit seiner Musikkneipe "Point" waren einige davon. Aus der Ära "Schnulli", zu der bereits Live-Konzerte im Club stattfanden, stammen die nachfolgenden Bilder (wer näheres zu den Aufnahmen weiß, wie der Name der Band oder einzelne Personen, bitte melden):



Im Vordergrund rechts in der schwarzen Lederjacke: Ralf "Mü" Müller. Auch zu sehen ist der legendäre Industrie-Noppenboden, der Mitte der siebziger den Nadelfilzbelag (siehe oben) ablöste.

Phönix aus der Asche

Das wechselvolle Dasein des Club nahm Mitte 2006 ein schicksalsvolle Wendung: Chap und Hucky wurden mit Arno Schumacher einig, das Lokal als "Club Backnang" wiederzueröffnen. Am 13. Oktober 2006 war Eröffnungstag. Der Club wird heute von jung und alt gleichermaßen besucht und geschätzt. Der Musikstil ist geprägt von Rock und Pop ab den Siebzigern. Das Getränkeangebot ist heute vielseitiger, aber dennoch sehr preiswert. Zwischenzeitlich hat sich der Club zur angesagten Live-Musik-Kneipe in der Region gemausert. Nahezu jeden Samstag geben Bands aus ganz Deutschland tolle Konzerte.


Der Club Backnang bedankt sich für die freundliche Bereitstellung der Bilder dieser Seite bei

Günther Löffler
Roland Janke
Hermann Lachenmaier
Rolf "Specki" Speckmaier
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